Dienstag, 23. August 2016

Raum von Emma Donoghue [REZENSION]

Raum
von Emma Donoghue
PIPER-Verlag
9,99€

Inhalt:
Für Jack ist Raum die ganze Welt. Dort essen, spielen und schlafen er und seine Ma. Jack liebt es fernzusehen, denn da sieht er seine »Freunde«, die Cartoonfiguren. Aber er weiß, dass die Dinge hinter der Mattscheibe nicht echt sind – echt sind nur Ma, er und die Dinge in Raum. Bis der Tag kommt, an dem Ma ihm erklärt, dass es noch eine Welt da draußen gibt und dass sie versuchen müssen, aus Raum zu fliehen …

Meine Meinung:
"Raum" ist mir aufgrund des sehr simplen Covers und dem ungewöhnlichen, kurzen Titel aufgefallen. Der Roman behandelt ein sehr ernstes Thema, das für manche Menschen leider tatsächlich Realität ist, Entführung und Geiselnahme. In Dokumentationen oder Zeitungsartikeln habe ich bereits vorher schon davon gehört, wie Menschen teilweise über etliche Jahre als Gefangene in Kellern o.ä. gehalten werden und von ihren Entführern sogar Kinder bekommen. Genau so geht es "Ma" in diesem Buch. 
Ich persönlich finde das Thema sehr interessant, eben genau weil es so etwas wirklich gibt und weil es etwas besonderes ist, dass so etwas in einem Buch behandelt wird. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Hauptperson Jack lediglich 5 Jahre alt ist. Die Idee gefällt mir sehr gut, eben weil man nicht sehr oft Einblicke in die Gedanken von kleinen Kindern erhält. Es ist etwas ganz besonderes, das Leben in "Raum", also dem Gefängnis von Jack und seiner Mutter, aus den Augen eines Kindes zu betrachten, das nicht weiß, dass es vieles, was er im Fernsehen sieht, tatsächlich gibt. Teilweise war es aber auch etwas nervig permanent Jacks Sicht zu erleben, da er logischerweise in einigen Aspekten nicht wie ein normal lebender 5-jähriger entwickelt ist und sehr babyhaft spricht und denkt. Allerdings merkt man auch, wie klug Jack eigentlich ist und das er z.B. was das Lesen und Rechnen angeht einem durchschnittlichen Kindergartenkind weit voraus ist.
Der Alltag im Raum ist nicht nur für die beiden Hauptpersonen, sondern auch für den Leser etwas eintönig. Das hat mir aber nichts ausgemacht, da ich es nicht schlimm finde, wenn mal nicht so viel passiert und es sehr interessant finde, wie die beiden versuchen ihr Leben zu meistern. Ich finde, besonders gut hat sich die Autorin überlegt, wie Ma versucht Jack mit Spielen körperlich und geistig fit zu halten und ihm dabei zu helfen, sich so normal wie nur möglich zu entwickeln. Dem Leser wird einiges klar, was Jack nicht weiß, da er es noch nicht versteht und daher fühlt man sich immer etwas weiter als Jack und kann auch Mas Handlungen gut verstehen. 
Gegen Mitte des Buches nimmt die Handlung richtig an Spannung zu und ich konnte das Buch gar nicht mehr weglegen. Die zweite Hälfte des Buches hat mir auch super gut gefallen, da die Autorin es meiner Meinung nach großartig schafft, darzustellen, wie es Personen geht, die etliche Jahre lang isoliert waren oder so wie Jack noch nie die Welt gesehen haben. 
Am Ende gefällt mir, dass es zwar offen ist, sich aber trotzdem abgeschlossen anfühlt. Ich hatte nicht das Gefühl, noch etwas wichtiges verpasst zu haben oder vor zu vielen offenen Fragen zu stehen, aber trotzdem ist es eben irgendwie ungewiss, wie es für die beiden nun weiter geht.
Fazit:
"Raum" ist wirklich ein tolles und einzigartiges Buch. Das Thema ist realistisch und genau deswegen sehr spannend aber auch traurig. Die Idee einer 5-jährigen Erzählperson hat meiner Meinung nach super funktioniert und ist definitiv mal etwas anderes. Das Buch ist zumindest stellenweise richtig spannend und mitreißend und die Autorin schafft es, den Leser die Gefühle und Empfindungen von Jack und seiner Mutter nach 5 bzw. 7 Jahren Gefangenschaft realistisch näherzubringen. Ich empfehle das Buch ganz klar an diejenigen, die das Thema interessant finden, weiter! :)




4,5/5 Punkten 








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